Was ist Coaching?

Definition von Coaching und Abgren­zung zu Training, Beratung, Super­vision, Mentoring und Psychotherapie

In den letzten zwei Jahrzehnten ist die Coaching-, Trainer- und Berater-Branche enorm gewachsen und als hilfreiche persönliche Dienstleistung in der allgemeinen Bevölkerung angekommen.

Die Unterschiede zwischen Coaching, Training, Beratung, Mentoring und Supervision sowie die Abgrenzungskriterien von Coaching zur Psychotherapie kann allerdings kaum jemand konkret benennen.

Dieser Artikel versucht, die Unterschiede detailliert herauszuarbeiten und die entsprechenden gesetzlichen Regelungen klarzustellen.

Unterschiede am Beispiel des Fußballtrainings

Am einfachsten sind die Unterschiede im Zusammenhang mit dem Fußballtraining zu verdeutlichen:

Nicht nur beim Fußballtraining, sondern in vielen Fällen eines Coachings ist der Coach auch Trainer, Berater, Supervisor und Mentor, wenn es die Situation erfordert. D.h. alle Formen der Begleitung finden im Betreuungsprozess statt, aber trotzdem kann zwischen den Begleitungsformen unterschieden werden.

Entstehungs­geschichte des Coachings

Akademisches Coaching

Der Ursprung des Begriffs ist im akademischen Bereich zu finden. Um 1830 wurden Tutoren an der Oxford University umgangssprachlich als Coaches bezeichnet, weil sie Studierende durch schwierige Prüfungen und akademische Aufgabenstellungen beförderten. (Quelle: Wikipedia).

Coach ist eigentlich das englische Wort für Kutsche (später auch für Waggon und Reisebus) und weist auf die Eigenschaft des Transportierens bzw. Beförderns hin. Coaching kann demnach als ein Prozess definiert werden, der Menschen hinsichtlich eines persönlichen Anliegens von einem Ausgangspunkt zu einem gewünschten Ziel befördert.

Demzufolge handelt es sich bei einem Coaching um eine Art des Förder­unter­richts. Die Förderung befördert den Klienten zu seinem Ziel. Förderung und Zielorientierung sind die maßgeblichen Kriterien eines Coachings.

Coaching im Sport

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Begriff Coaching auch im sportlichen Bereich zunehmend eingesetzt. Mit den amerikanischen Medien ist der Coach auch bei uns zum Standardbegriff für Trainer im sportlichen Bereich geworden.

Coaching für Führungskräfte und Experten

Mit der Veränderung der Wirtschafts- und Arbeitswelt wurde das Coaching berufsspezifischer. Traditionell ist diese Art der Begleitung als Führungs- und Persönlichkeitscoaching (executive coaching) im Business- und Management­bereich zuhause, aber mittlerweile findet es auf allen beruflichen Ebenen und in allen Sparten seinen Einsatz.

Coaching im Bereich der Lebensberatung und Persönlichkeitsentwicklung

Das Coaching zur gezielten Persönlichkeitsentwicklung und als Lebensberatung ist relativ neu. Vermutlich ist die Verbreitung in diesem Bereich auf die moderne urbane Gesellschaft und auf den Rückgang der Bedeutung der Religion zurückzuführen. Der offenbar erhöhte Bedarf an Persönlichkeitscoaching und Lebensberatung weist außerdem auf Leistungsdruck, Vereinsamung und Narzissmus in unserer modernen Gesellschaft hin.

Noch vor wenigen Jahrzehnten standen für die Gespräche über seelische Probleme und Krisen die alten weisen Menschen im Dorf oder der Pfarrer zur Verfügung. Aber vor allem waren und sind es noch immer die tieferen zwischen­menschlichen Beziehungen im nahen persönlichen Umfeld, die bei persönlichen Problemen unterstützend wirken und durch schwere Krisen tragen.

Coaching als personenzentrierte Hilfestellung in allen Lebensbereichen

Mittlerweile wird Coaching in allen Lebensbereichen und Lebenssituationen angewendet, in denen eine Hilfestellung bei der Entwicklung und Entfaltung von Fertigkeiten und Fähigkeiten erwünscht ist, um eine bestimmte Aufgabe oder Situation besser zu bewältigen bzw. ein bestimmtes Ziel leichter zu erreichen.

Außerdem hat in den letzten Jahren eine sprachliche Veränderung von Einzelunterricht hin zum Coaching stattgefunden. Z.B. nennen sich viele Gesangslehrer nun “Vocal Coach” und Statistiker bieten ein Statistikcoaching an. Insbesondere soll dadurch verdeutlicht werden, dass es beim Unterricht nicht nur um die Vermittlung von Kenntnissen und Fertigkeiten geht, sondern zusätzlich individuell auf den Lernenden und seine Ziele eingegangen wird, um das Bestmögliche aus sich herausholen zu können.

Definitionen von Coaching

Aufgrund der Herkunft des Begriffs, schauen wir zuerst nach, wie Coaching im englischen Sprachraum definiert ist. Wikipedia sagt dazu:

Coaching is a form of development in which a person called a coach supports a learner or client in achieving a specific personal or professional goal by providing training and guidance.

Die International Coaching Community erwähnt unter anderem auch den Optimierungsaspekt des Coachings:

Coaching unlocks a person's potential to maximise their performance. ... The coach helps the client to achieve their personal best and to produce the results they want in their personal and professional lives.

Im deutschen Sprachraum haben sich die verschiedenen Interessensgruppen ihre eigene Definition von Coaching gebastelt. Die österreichische Wirtschafts­kammer beschreibt das Berufsbild Coaching sinngemäß als lösungs- und zielorientierte Begleitung in komplexen Veränderungs­prozessen und Unter­stützung in Entscheidungs­situationen, wodurch viele Anforderungen erfolg­reich bewältigt werden können und ein wichtiger Beitrag zur nachhaltigen Qualitätssicherung geleistet wird.

Der österreichische Coaching-Dachverband schränkt seine Definition von Coaching auf den beruflichen Kontext ein und benennt konkret den Beratungsaspekt:

Coaching ist ein interaktiver personenzentrierter Beratungs- und Begleitungs­prozess im beruflichen Kontext, der zeitlich begrenzt und thematisch (zielorientiert) definiert ist. Die individuelle Beratung von einzelnen Personen, Gruppen oder Teams richtet sich auf fachlich-sachliche und/oder psychologisch-soziodynamische Fragen bzw. Problemstellungen, die sich auf die Arbeitswelt beziehen.

Hingegen sehen Unternehmensberater ein Coaching als Hilfe zur Selbsthilfe und differenzieren zwischen Coaching und Beratung (Quelle: Berufsbild Unternehmensberatung, PDF 540 kB):

Coaching ist eine Methode zur Befähigung von Individuen zur Findung von Problemlösungen aus sich selbst heraus. Der Coach führt den Coachee durch seine Fragen zu eigenen Antworten. Wenn der Coachee die inhaltliche Meinung des Coaches abfragt, wird Coaching zur individuellen Fachberatung.

Diese Beschreibung von Coaching deckt sich mit dem Wikipedia-Eintrag zum Business Coaching:

Anders als ein Berater (Consultant) oder ein Trainer macht ein Business Coach seinem Kunden weder direkte Lösungsvorschläge noch vermittelt er Fachwissen oder bestimmte Fertigkeiten, sondern er begleitet ihn bei der Entwicklung eigener individueller und nachhaltiger Lösungen.

Im deutschsprachigen Wikipedia gibt es dann auch gleich die entsprechende Kritik zu den Definitionen von Coaching:

.... Dabei bleiben die Begriffe “Begleitung” und “Unterstützung” so vage, dass man nicht erkennen kann, welche konkreten Methoden sich dahinter verber­gen. Besonders auffällig ist die verbreitete Verwendung blumiger Worthülsen wie “professionelles Beratungsformat” oder “andauernde Partnerschaft auf Prozessebene” oder “interaktiver, prozessorientierter Beratungs- und Begleitungs­prozess”. ... Fazit: Coaching ist in der Praxis ein schillerndes Modewort für traditionelle Lern-, Trainings und Beratungsaktivitäten.

Coaching ist also unklar definiert und die Definitionen unterscheiden sich in Teilen beträchtlich, insbesondere hinsichtlich des Beratungsaspekts. Unter Berücksichtigung von Ursprung und Entstehungs­geschichte kann jedoch folgendes festgestellt werden:

Coaching ist eine persönliche Hilfestellung zum bestmöglichen Erreichen eines bestimmten persönlichen, professionellen oder beruflichen Ziels mittels Training und “Guidance”, wobei Guidance als Förderung, Anleitung, Orientierungshilfe, Mentoring und Begleitung verstanden werden kann.

Unterschied zwischen Coaching und Training

Bei der Vermittlung von Wissensinhalten, Kenntnissen, Fertigkeiten und Strategien wird im Allgemeinen von einem Training gesprochen. Mit einen Training werden die grundlegenden Voraussetzungen geschaffen, bestimmte Aufgabenstellungen zu bewältigen bzw. ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Um ein Coaching handelt es sich, wenn der Lern-, Trainings- und Erfahrungs­prozess individuell und zielorientiert gefördert wird. Dabei werden Kenntnisse. Fähigkeiten und Fertigkeiten evaluiert und verbessert sowie jene fachlichen Gründe bearbeitet, welche die wirksame Umsetzung von Kompetenzen bzw. das Erreichen des Lernzieles behindern.

Gemäß dieser Definition ist jeder Nachhilfeunterricht, jeder Gesangsunterricht, jeder individuelle Unterricht zum Erlernen eines Musikinstruments und praktisch jedes individuell abgestimmtes Training (z.B. ein Kommunikations­training) im Grunde ein Coaching.

Coaching und die Abgrenzung zur Psychotherapie

Wird Coaching zur Förderung der Persönlichkeits­entwicklung, zur gezielten Stärkung von Selbstbewusstsein, Selbstsicherheit und Selbstvertrauen oder als Unterstützung bei persönlichen und beruflichen Problemen eingesetzt, kann die Hilfestellung in die Nähe von Psychotherapie geraten. Manche Coaches und Lebensberater sprechen sogar von der Anwendung psychothera­peutischer Methoden. Ein guter Artikel dazu ist im Psychology Today zu finden.

Unterschiedliche Ziele und Zielgruppen

Unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Ziele und Zielgruppen von Psychotherapie versus Coaching wird allerdings eine deutliche Abgrenzung erkennbar. Gemäß der Infobroschüre über Psychotherapie und psychotherapeutische Methoden (PDF, 850 kB) ist das Ziel einer Psychotherapie, seelisches Leid zu heilen oder zu lindern, in schweren Lebenskrisen zu helfen und gestörte Verhaltensweisen und Einstellungen zu ändern.

Psychotherapie kann im Rahmen einer psychotherapeutischen Selbsterfahrung auch auf die generelle Persönlichkeitsentwicklung und eine gesunde Lebensweise abzielen, aber grundsätzlich ist eine Psychotherapie für die Wiederherstellung von Gesundheit und Funktionalität zuständig, während sich Coaching der Weiterent­wicklung psychisch gesunder “funktionierender” Klienten widmet.

In einem Coaching oder einer Lebensberatung geht es darum, den Klienten bei einer herausfordernden Aufgabe, einer schwierigen Lebenssituation oder bei der Verwirk­lichung eines bestimmten persönlichen/beruflichen Ziels zu unterstützen und dabei die Entwicklung und Entfaltung spezifischer Fertigkeiten und Fähigkeiten zu fördern.

Bei ausreichend persönlichen Ressourcen und seelischer Gesundheit des Klienten zur Bewältigung der Herausforderung bzw. Erreichung des Ziels wäre eine Psychotherapie eine überflüssige Maßnahme, die über das Ziel hinausschießt.

Wann braucht es bei der Realisierung von Zielen eine Psychotherapie

Wenn allerdings die wirksame Umsetzung von Fähigkeiten, die Bewältigung einer schwierigen Lebenssituation oder die Erreichung eines realistischen Ziels durch eine psychische Problematik behindert wird oder ein Ziel aufgrund einer gestörten Selbstwahrnehmung unrealistisch hoch ist, dann ist eine Psychotherapie empfehlenswert. Dementsprechend wird ein erfahrener professioneller Coach diese Empfehlung aussprechen.

Methodische Unterschiede zwischen Coaching und Psychotherapie

Eine psychotherapeutische Behandlung wird von einer fundierten Theorie und einer empirisch gestützten Psychotherapiemethode geleitet. Beim Coaching kommen hauptsächlich pädagogische Methoden sowie “Coaching-Tools” zum Einsatz, die z.B. auf Ressourcen­aktivierung oder Perspektiv­wechsel abzielen.

Auch im Arbeitsprozess gibt es deutliche Unterschiede. Im Allgemeinen arbeiten Coaches auf die Zukunft orientiert. Hingegen muss in den meisten Therapien auch die Vergangenheit betrachtet werden, um eine Pathologie zu bearbeiten, die fast immer in der Kindheit entstanden ist.

Beratung

Eine Beratung bzw. Konsultation ist eine strukturierte Kommunikation mit dem Ziel, Information und Erkenntnisse weiterzugeben, die dem Klienten anstehende Entscheidungen ermöglichen oder erleichtern. Im Allgemeinen unterbreitet der Berater konkrete Lösungsvorschläge und Empfehlungen.

Zum Beispiel ist ein statistisches Consulting ein Beratungsgespräch zur Anwendung statistischer Methoden. Dabei empfiehlt der Statistiker dem Klienten die adäquate statistische Methode und erklärt, warum gerade dieses bestimmte Verfahren zur gegebenen wissenschaftlichen Fragestellung angewendet wird.

Beratung versus Coaching

Coaching ist an sich keine Beratung, sondern eine Hilfe zur Selbsthilfe. Maßgeblich für ein Coaching ist also die eigenständige Lösungsfindung zu den Herausforderungen und Problemen, wobei der Coach den Klienten prozessorientiert und zielführend begleitet.

Coaching kann selbstverständlich durch Beratung ergänzt werden, aber dabei ist zu berücksichtigen, dass mit den Lösungsvorschlägen einer Beratung der Lern- und Erfahrungsprozess weitgehend übergangen wird. Die ergänzende Beratung bei einem Coaching sollte nur nach Vereinbarung bzw. bei konkreten Fragen des Klienten erfolgen. Wie kommt der Klient dazu, wenn ihm Lösungs­vorschläge und Empfehlungen aufgedrängt werden, obwohl er eigentlich wegen des Lern- und Erfahrungsprozesses beim Coaching ist.

Supervision

Gemäß Cambridge Dictionary ist Supervision

the act of watching a person or activity and making certain that everything is done correctly.

Ähnliches findet sich auf Wikipedia, wo Supervision als

... an act or instance of directing, managing, or oversight ... act or function of overseeing something or somebody ...

definiert wird. Supervision bezieht also den Aspekt der Qualitätskontrolle und Sicherheit in das Coaching mit ein.

Supervision in Ausbildungsprozessen

Supervision ist insbesondere in Ausbildungs- und Arbeitsbereichen wichtig, wo es essentiell ist, eine professionelle Aufsicht zu gewährleisten und das berufliche Handeln zu prüfen und zu verbessern. Z.B. ist dies bei der Behandlung von Patienten oder bei der Arbeit mit gefährlichen Substanzen in Laboren der Fall.

Im englischen Sprachraum wird die Betreuung einer wissenschaftlichen Arbeit als Supervision (Thesis supervision) bezeichnet. Da unsere Universitäten vermehrt in Englisch unterrichten, kann damit gerechnet werden, dass auch hier die Begriffe Supervision und Supervisor häufiger anzutreffen sein werden.

Supervision als erfahrene Beratung

Neben dem Aufsichtscharakter kann Supervision auch als konkrete Fachberatung erfolgen. Z.B. besprechen Psychotherapeuten konkrete Patientenfälle mit einem Supervisor, um eine andere Perspektive auf den Fall zu erhalten und möglichst nichts zu übersehen.

Supervision zur Verbesserung von Arbeits- und Teamprozessen

Insbesondere im Sozial- und Gesundheitsbereich, aber auch in der Wirtschaft und auf Behörden, wird Supervision als eine Beratungsform zur besseren Bewältigung konkreter beruflicher Situationen sowie als Maßnahme zur Team- und Organisationsentwicklung eingesetzt.

Dabei geht es vor allem um Belastungssituationen, Konfliktbereiche, Verantwortungsübernahme, Effizienz und Effektivität der Teamarbeit sowie um die Arbeitszufriedenheit. Die Führung dieser Teamgespräche erfolgt durch erfahrene Psychotherapeuten, Psychologen, Lebensberater, Unternehmens­berater und entsprechend ausgebildete Supervisoren.

Dienstvorgesetzter als Supervisor

In manchen Betrieben werden Vorgesetzte als Supervisoren bezeichnet, die weniger erfahrene Mitarbeiter unterweisen, wobei es sich eher um Training und Mentoring mit inkludierter Qualitätskontrolle handelt.

Mentoring

Der Prozess, bei dem eine erfahrene Person auf den eigenen Erfahrungs- und Lernprozess zurückgreift und die dabei gewonnenem Erkenntnisse und entwickelten Bewältigungsstrategien an eine weniger erfahrene Person weitergibt, wird Mentoring genannt. Der Mentor gibt sowohl dieses Erfahrungswissen als auch sein fachliches Wissen weiter.

Im Grunde ist ein berufliches Mentoring eine Kombination aus Training, Coaching, Beratung und Supervision. Berufliches Mentoring findet meist innerhalb von Unternehmen, Organisationen und Institutionen eingebettet in der beruflichen, sozialen, wissenschaftlichen, edukativen oder künstlerischen Tätigkeit statt.

Im Gegensatz zu Business- und Persönlichkeitscoaches hat ein Mentor im Allgemeinen keine Coachingausbildung, sondern seine Kompetenz basiert auf seinem Erfahrungsschatz und Wissensvorsprung.

Gesetzliche Regelungen

Rechtliche Bestimmungen zu Berufsbezeichnungen

Training, Coaching, Beratung, Supervision und Mentoring sind Begriffe für Tätigkeiten, die in allen Lebensbereichen Anwendung finden können. Deshalb sind diese abstrakten Tätigkeitsbegriffe nicht gesetzlich geschützt. D.h. jeder kann sich Trainer, Coach, Berater, Supervisor oder Mentor nennen.

Maßgeblich für die Berechtigung zur Berufsausübung ist nicht die Bezeichnung einer Tätigkeit, sondern deren Absichten, Ziele und Inhalte. Gesetzlich eingeschränkt ist daher die professionelle bzw. gewerbliche Ausübung von Coaching, Beratung und Supervision im Zusammenhang mit einer gesetzlich geschützten oder reglementierten beruflichen Tätigkeit.

Gewerbeanmeldung

Eine Gewerbeanmeldung bei der WKO ist nur für eine gewerbliche Erwerbstätigkeit erforderlich. Die österreichische Gewerbeordnung kennt reglementierte und freie Gewerbe. Freie Gewerbe dürfen nicht mit den nachfolgend beschriebenen Freien Berufen verwechselt werden, die von der Gewerbeordnung ausgenommen sind.

Für reglementierte Gewerbe ist ein Befähigungsnachweis bei der Gewerbe­anmeldung erforderlich. Z.B. sind Lebensberater und Unternehmensberater in einem reglementierten Gewerbe erwerbstätig. Freie Gewerbe darf hingegen jeder ausüben. Z.B. braucht der “Aufräumcoach” oder der “Farb–Typ–Stilberater” zwar eine Gewerbeanmeldung, aber gemäß Bundeseinheitliche Liste der freien Gewerbe (PDF, 740 kB) ist kein Befähigungsnachweis erforderlich.

Freie Berufe

Von der Gewerbeordnung ausgenommen sind die Freien Berufe (Ärzte, Anwälte, Notare, Steuerberater, Psychotherapeuten, Psychologen, Sozialarbeiter, Hebammen, Dolmetscher, Journalisten, Schriftsteller, Wissenschaftler, Künstler).

Freier Beruf bedeutet allerdings nicht, dass die Berufsbezeichnungen frei verwendbar wären. Zwar kann sich jeder als Schriftsteller, Wissenschaftler oder Künstler bezeichnen, aber viele der Berufstätigkeiten der Freien Berufe sind gesetzlich streng geschützt.

Zu beachten ist auch für Freiberufler, dass sie bei der Ausübung von Coaching, Beratung und Supervision nicht mit einer gesetzlich geschützten oder regle­mentierten Berufstätigkeit außerhalb ihres Fachgebiets in Konflikt geraten.

Freiheit der Wissenschaft und Kunst

Die Ausübung des Erwerbszweiges des Privatunterrichtes ist gemäß § 2 Absatz 1 Z 12 GewO 1994 vom Geltungsbereich der Gewerbeordnung ausgenommen. Grundlage für diese gewerberechtliche Bestimmung ist die Freiheit der Wissenschaft und ihrer Lehre sowie der Freiheit des künstlerischen Schaffens, der Vermittlung von Kunst und deren Lehre gemäß Artikel 17 und 17a des Staatsgrundgesetzes RGBl. Nr. 142/1867.

Diese verfassungsrechtlich zugesicherte Freiheit gilt demnach für jegliches Training sowie für Coaching und Supervision in Bezug auf das schulische, akademische, musikalische und künstlerische Lernen, einschließlich der Vermittlung damit verbundener grundlegender geistiger und körperlicher Fertigkeiten, wie z.B. Lernstrategien und Merktechniken beim schulischen Lernen; Haltung, Fingertechniken und Übungsstrategien beim Erlernen eines Musikinstruments oder Körperhaltung, Stimmbildung und Atemtechniken beim Gesangsunterricht.

Coaching, Supervision und Beratung aus reglementierten Berufen getarnt als Privatunterricht oder energetische Beratung

In vielen Fällen gilt Coaching und Supervision als Privatunterricht sofern 1) keine individuelle Beratung mit konkreten Lösungsvorschlägen und Empfehlungen stattfindet und 2) keine Rechtsvorschriften die Ausübung einschränken, z.B. aufgrund einer möglichen Gesundheitsgefährdung.

Der zweite Punkt gilt auch für Energetiker, die zwar im gewerberechtlichen Sinne beraten dürfen, aber nicht den Ärzten, Psychologen, Therapeuten, Diätologen, Lebensberatern, etc vorbehaltenen Tätigkeitsbereich betreffend.

Allerdings gibt es einige Graubereiche, die noch nicht letztinstanzlich geklärt sind oder für die noch keine gesetzliche Grundlage existiert. Für die Beratung und Behandlung auf Grundlage alternativmedizinischer Methoden ist derzeit ein Gesetz in Arbeit.

Eindeutig festgelegt und höchstgerichtlich geklärt ist dieser Sachverhalt für die Beratung und Behandlung kranker Menschen. Hier bedarf es der entsprechenden ärztlichen, psychologischen oder therapeutischen Zulassung.

Gesetzliche bzw. gewerberechtliche Regelungen gibt es auch zu Coaching und Beratung von Menschen im Zusammenhang mit Persönlichkeitsproblemen, Ehe- und Familienproblemen, Erziehungsproblemen, Berufsproblemen und sexuellen Problemen sowie für die psychologische Beratung, Ernährungsberatung und sportwissenschaftliche Beratung. Hier braucht es gemäß § 119 GewO die Anmeldung als Gesundheitsgewerbe mit entsprechendem Befähigungsnachweis.

Betreffend § 119 GewO gibt es zwei OGH-Entscheidungen zu Ernährungstrainer, Ernährungscoaches und Energetiker, die individuelle Einzelberatung in Ernährungsfragen und zum Thema Abnehmen als Schulung bzw. Einzeltraining oder als energetische Beratung angeboten haben.

Da eine Falschberatung in diesem Bereich gesundheitliche Probleme verursachen könnte, ist die Ausübung der Ernährungsberatung gesetzlich geregelt bzw. mit § 119 GewO reglementiert. Dies hat der OGH bestätigt und auf die dafür notwendige Ausbildung verwiesen (Entscheidung zu Ernährungstraining GZ: 4Ob222/17a und Entscheidung zu Humanenergetik GZ: 4Ob61/14w). Vermeintliche Auswegrouten der Ernährungsberatung über Ernährungstraining oder energetische Behandlung wurden damit geschlossen.

Verwechslungsgefahr mit gesetzlich geschützten therapeutischen Berufstätigkeiten

Die Tätigkeitsbegriffe Therapeut und Therapie an sich sind nicht gesetzlich geschützt. Allerdings haben Trainer, Coaches, Berater und Supervisoren jedenfalls darauf zu achten, dass ihre ausgeübte Tätigkeit nicht mit einer gesetzlich geschützten therapeutischen Berufstätigkeit in Konflikt gerät oder verwechselt werden kann. Generell sind sowohl im seelischen als auch im körperlichen Bereich jegliche Heilsversprechen oder mit einer therapeutischen Behandlung verwechselbaren Aussagen zu unterlassen.

Z.B. darf beim Angebot der Bearbeitung von Prüfungsängsten im Rahmen einer Lebensberatung keinesfalls irreführend der Eindruck erweckt wird, dass damit eine Psychotherapie verbunden ist oder dadurch der Besuch beim Psychotherapeuten entbehrlich wird.

Dies gilt auch für den körperlichen Bereich. Ein Tanz- oder Balletttraining kann phänomenale positive Auswirkungen auf die Körperhaltung haben. Allerdings darf nicht für die Heilung von Haltungsschäden geworben bzw. der Eindruck erweckt werden, dass mit dem Tanztraining eine physiotherapeutische Tätigkeit verbunden ist oder das Tanztraining eine Physiotherapie ersetzt.

Ebenso müssen Ernährungsberater darauf achten, nicht mit Diätologen oder Ernährungsmedizinern verwechselt zu werden, die Menschen mit besonderen Ernährungsbedürfnissen—z.B. bei Vorliegen oder Verdacht einer Krankheit—ernährungstherapeutisch betreuen.

Den passenden Experten finden

Google-Suche

Ohne Empfehlungen von Freunden oder Kollegen ist mittlerweile Google die effektivste Hilfe bei der Suche nach dem passenden Trainer, Coach, Berater oder Supervisor. Geben Sie auf der Google-Website im Suchfeld die gewünschte Dienstleistung (z.B. Wissenschaftscoaching) sowie den Ort ein.

Nehmen Sie sich Zeit zum Recherchieren und schauen Sie sich nicht nur die Suchergebnisse auf der ersten Seite an. Beachten Sie, dass Suchergebnisse auf vorderen Plätzen nichts über die Fachkompetenz des Experten aussagt, sondern eher etwas über den Aufwand für das Erstellen der Webseiteninhalte und für die Suchmaschinenoptimierung.

Online-Portale

Ferner gibt es für personenzentrierte Dienstleistungen einige kommerzielle Online-Portale. Allerdings ist in Gegensatz zur Google-Suche bei der Sichtbarkeit der Ergebnis-Listung relevant, ob es sich um eine bezahlte Eintragung handelt. Der Großteil der Experten begnügt sich in diesen Verzeichnissen mit einer nachgereihten unscheinbaren Gratiseintragung. Außerdem sind viele gar nicht eingetragen oder der Eintrag ist nicht mehr aktuell. Hingegen hat praktisch jeder selbständig tätige Trainier, Coach oder Berater eine Webseite und ist über die Suchmaschinen direkt auffindbar.

Infos auf der Webseite

Anhand von Informationen auf der Webseite des Experten ist schon eine Auswahl nach Kriterien wie Arbeitsschwerpunkte, Methoden, Ausbildung, Berufserfahrung, Kosten und Lage möglich. Lassen Sie sich aber nicht von der hochprofessionellen stilvollen Gestaltung einer Webseite blenden, sondern achten Sie mehr auf die Inhalte. Ob der Experte “passt” und ausreichend mit Ihrem Anliegen vertraut ist, können Sie beim Erstgespräch klären.

Erstgespräch

Beim unverbindlichen Erstgespräch können sich Klient und Experte kennen lernen und feststellen, ob eine gute Zusammenarbeit möglich ist. Im Rahmen der ausführlichen Besprechung des Anliegens ist erster Einblick in die Arbeitsweise und Kompetenz des Experten möglich.

Das primäre Ziel eines Erstgesprächs ist, dass der Klient die bestmögliche Betreuung für sein Anliegen bekommt. Sollte der Experte mit der Thematik oder Problematik nicht ausreichend vertraut oder rechtlich nicht dazu befähigt sein, ist es seine ethische und gesetzliche Verpflichtung, dies auch zu benennen. Professionell arbeitende Trainer, Coaches, Berater und Supervisoren sind gut vernetzt und können in diesem Fall eine Empfehlung für entsprechende Experten geben.