Depression im Kindes- und Jugendalter

Merkmale und Therapie depressiver Störungen bei Kindern und Abgren­zung zur Geschlechts­dysphorie

Depressionen bei Kindern und Jugendlichen treten häufiger auf als bisher angenommen, denn die depressive Störung äußert sich hier vorwiegend in psychosomatischen Symptomen, z.B. Bauchschmerzen, Essstörungen, etc. Die für Depressionen typische gedrückte Stimmung ist meist erst im späteren Jugendalter zu beobachten.

Kinder haben eine andere Sprache als Erwachsene und können sich bei komplexen Problemen oft nur in Form von körperlichen Beschwerden oder durch auffälliges Verhalten mitteilen. Psychotherapeuten für Kinder und Jugendliche verstehen die Kindersprache und finden dadurch im Rahmen der Psychotherapie leicht einen Zugang zu den jungen Patienten.

Wichtiger Hinweis: Diese Seite dient allen Interes­sierten zur Information und kann keines­falls ein ärztliches oder thera­peutisches Gespräch ersetzen. Bitte beachten Sie, dass ich Wissen­schaftler und Lehrender bin und keine Behandlung anbiete!

Mögliche Anzeichen einer Depression bei Kindern und Jugendlichen

Bei Kindern ist eine Depression in Erwägung zu ziehen, wenn trotz umfassender ärztlicher Abklärung keine organischen Ursachen für körperliche Probleme zu finden sind. Auch Schlafstörungen, aggressives Verhalten, Verlust der Spielfreude oder massive Ängste können ein Hinweis auf eine Depression sein.

Bei Jugendlichen können Essstörungen, Ängste, schulische Probleme, sozialer Rückzug, ängstlich-vermeidendes Beziehungsverhalten oder ein geringes Selbstwertgefühl auf eine Depression hinweisen.

Psychotherapie bei einer Depression im Kindes- und Jugendalter

Aufgrund der Unterschiede zu Depressionen bei Erwachsenen sollte eine Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen nur durch speziell ausgebildete und erfahrene Kinder- und Jugendpsychotherapeuten erfolgen.

In der Psychotherapie wird vor allem die zugrunde liegende Bindungsproblematik bearbeitet. Dementsprechend steht der Aufbau einer sicheren Bindung zwischen Patient und Psychotherapeut im Vordergrund.

Die gute Beziehung zum Psychotherapeuten ermöglicht den Patienten eine bessere Beziehung zu sich selbst. Infolgedessen können sie sich selbst besser spüren und leichter einen den Zugang zu den eigenen verdrängten Gefühlen und Bedürfnissen finden. Die Betroffenen können nun ihre Gefühle zum Ausdruck bringen und sich dem Psychotherapeuten anvertrauen.

Aufgrund ihrer erhöhten Sensibilität spüren depressive Kinder die beruflichen und persönlichen Belastungen der Eltern besonders intensiv und wollen sie nicht noch mehr belasten. Viele depressive Kinder erzählen in der Psychotherapie, dass sie ihre Eltern glücklich machen wollen oder zumindest problemlos funktionieren wollen. In der Folge sind sie noch mehr frustriert und verunsichert, weil ihnen das nicht gelingt. Unter Einbeziehung der Eltern in die Psychotherapie kann diese problematische Beziehungsdynamik im Familiensystem bearbeitet werden.

Beim psychotherapeutischen Erstgespräch können Sie den Psychotherapeuten nach seiner Ausbildung und Erfahrung speziell im Bereich der Kinder- und Jugendpsychotherapie fragen. Falls außerdem ein problematisches Essverhalten vorliegt, sollte sich der Psychotherapeut zudem gut mit Essstörungen auskennen.

Psychiatrische Behandlung

Die medikamentöse Behandlung sollte durch Kinder- und Jungendpsychiater erfolgen, denn es braucht die spezielle Ausbildung und viel Erfahrung, um Kinder auf die geeigneten Erwachsenenmedikamente einzustellen.

Antidepressiva werden in der Regel ab dem 14. Lebensjahr verabreicht, in Einzelfällen ab dem 12. Lebensjahr. Manchmal kommen zusätzlich Neuroleptika (Antipsychotika) zur Anwendung wie z.B. Abilify oder Seroquel. Antidepressiva und Neuroleptika erzielen im Allgemeinen einen stabilisierenden Effekt, der eine Psychotherapie erleichtern kann. Eine medikamentöse Behandlung ohne Psychotherapie ist nicht sinnvoll.

Abgrenzung der Depression von einer Geschlechtsdysphorie

Abzugrenzen von einer Depression ist die Geschlechts­dysphorie bei Abweichung der Geschlechts­identität vom biologischen Geschlecht (Geschlechts­inkongruenz), also z.B. wenn sich ein Kind mit männlichen Geschlechts­merkmalen als Mädchen fühlt. Nach den neuesten wissen­schaft­lichen Erkenntnissen wird eine Geschlechts­inkongruenz nicht mehr als psychische Störung betrachtet, sondern als natürliche Variation der Geschlechts­identität.

Wenn allerdings die gefühlte Geschlechts­identität nicht ausgelebt werden kann, dann kommt es zu einer psychischen Belastungs­reaktion, die Geschlechts­dysphorie genannt wird. Bei der Geschlechts­dysphorie treten im Allgemeinen fast die gleichen Symptome auf wie bei einer Depression, aber die Symptomatik verschwindet weitgehend, sobald die Betroffenen in ihrer gefühlten Geschlechts­identität leben können.

Eine Geschlechts­inkongruenz im Kindesalter ist in etwa 20 Prozent der Fälle dauerhaft, d.h. 80 Prozent der betroffenen Kinder entscheiden sich, die Pubertät des biologisch zugewiesenen Geschlechts zu durchlaufen.

Sollte sich Ihr Kind schon mehrmals und beständig hinsichtlich einer abweichenden Geschlechts­identität mitgeteilt haben oder der Verdacht vorliegen, dass das Kind diesbezüglich ein Problem hat, wenden Sie sich an einen Experten für Geschlechts­identität und Transgender. Psychotherapeuten, Psychologen und Ärzte ohne Spezialisierung auf Geschlechts­inkongruenz sind im Allgemeinen mit den Betroffenen überfordert, vor allem weil es sich nicht um einen Krankheit, sondern um ein Identitätsproblem handelt.

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