Medikamenten­sucht

Abhängigkeit von Benzo­diazepinen, Psycho­stimu­lanzien und Schmerz­mitteln

So hilfreich Arzneimittel gegen Angst, Anspannung, Unruhe, Schlafstörungen und Schmerzen sein können, die Suchtgefahr von Psychopharmaka mit Abhängigkeitspotenzial ist nicht zu unterschätzen. Schon nach wenigen Wochen ist meist eine Gewöhnung oder Abhängigkeit zu beobachten. Aufgrund der schnellen Wirkung und der geringen Nebenwirkungen (abgesehen vom Suchtpotenzial) werden Arzneimittel wie Benzodiazepine gerne verschrieben.

Dabei gäbe es in vielen Fällen gute Alternativen, die über kein Suchtpotenzial verfügen, z.B. angstlösende und schlafanstoßende Neuroleptika und Antidepressiva.

Wichtiger Hinweis: Diese Seite dient allen Interes­sierten zur Information und kann keines­falls ein ärztliches oder thera­peutisches Gespräch ersetzen. Bitte beachten Sie, dass ich Wissen­schaftler und Lehrender bin und keine Behandlung anbiete!

Psychotrope Substanzen mit Abhängig­keits­potenzial

Benzodiazepine

Die häufigste Form der Medikamenten­abhängig­keit betrifft Benzodiazepine. Sie werden als Sedativa (Beruhigungsmittel) und als Hypnotika (Schlafmittel) eingesetzt. Benzodiazepine wie z.B. Temesta, Lexotanil und Halzion sind hoch wirksam mit wenigen Nebenwirkungen, haben jedoch ein sehr hohes Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial.

Bei Benzodiazepinen kann sich bereits bei niedrigen Dosierungen eine schwere körperliche Abhängigkeit entwickeln. Bei der sogenannten Niedrigdosisabhängigkeit erfolgt oft auch nach Jahren der Einnahme keine Dosissteigerung. Erst wenn das Medikament abgesetzt wird, treten Entzugssymptome auf.

Benzodiazepin-Analoga

Benzodiazepin-Analoga wie das Arzneimittel Zolpidem (Ivadal oder Zoldem) werden vorwiegend als Schlafmittel eingesetzt. Sie wurden anfangs als weniger problematisch eingeschätzt als Benzodiazepine. Mittlerweile hat die WHO den Wirkstoff bezüglich des Abhängigkeitsrisikos den Benzodiazepinen gleich gestellt.

Clomethiazol

Wird im akuten Alkoholentzug eingesetzt und hat ein hohes Missbrauchspotenzial. Nicht selten kommt es nach einem Alkoholrückfall zu einer kombinierten Alkohol-Clomethiazol-Abhängigkeit.

Schmerzmittel

Bei schweren Schmerzzuständen mit körperlichen Ursachen sind Opiate (Morphin, Codein) und Opioide (synthetische morphinartige Substanzen) unverzichtbar und können die Lebensqualität der Betroffenen deutlich steigern. Allerdings kann es insbesondere bei unbedachter Anwendung (z.B. bei psychosomatischen Schmerzen) zu einer Opiatabhängigkeit kommen.

Ein Schmerzmittelmissbrauch tritt manchmal auch bei Menschen auf, die an Migräne oder Spannungskopfschmerz leiden. Nach monate- oder jahrelanger häufiger Einnahme klassischer Schmerzmittel kann es nach einer Gewöhnung zu Entzugskopfschmerzen kommen. Besonders problematisch bei diesen (oft frei verkäuflichen) Schmerzmitteln sind die Nebenwirkungen im Bereich des Verdauungstraktes, der Nieren und der ableitenden Harnwege.

Psychostimu­lanzien

Diese Substanzen erhöhen, beschleunigen oder verbessern die Aktivität der Nerven. Besonders häufig wird der Amphetamin-ähnliche Arzneistoff Methylphenidat eingesetzt, der unter dem Namen Ritalin oder Concerta bekannt ist. Der Einsatz von Psychostimulanzien kann bei Krankheiten wie Parkinson, Narkolepsie, Konzentrationsstörungen, ADHS und therapieresistenter Depression sehr hilfreich sein, allerdings ist das Abhängigkeitspotenzial hoch.

Stationäre Behandlung

Bei einer Hochdosisabhängigkeit sowie bei Patienten mit einer kombinierten Abhängigkeit von Benzodiazepinen und anderen problematischen Suchtmitteln sollte stationär entzogen werden. Der Entzug kann auf der Psychiatrie, der Inneren Medizin oder an einer spezialisierten Einrichtung erfolgen.

In leichteren Fällen von Medikamentenmissbrauch kann die Therapie durch ein Miteinander von fachärztlicher, psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlung ambulant erfolgen.

Die Notwendigkeit einer stationären Behandlung in einer Psychiatrie bzw. die Zweckmäßigkeit eines mehrwöchigen Therapieaufenthalts in einer entsprechend dafür spezialisierten Klinik kann durch ein ärztliches oder psychotherapeutisches Gespräch geklärt werden.

Es hat sich als vorteilhaft erwiesen, wenn sich die Betroffenen in der Zeit des stationären Aufenthalts ganz auf ihre Therapie und psychische Entwicklung konzentrieren. Berufliche Aktivitäten und persönliche Engagements außerhalb des Behandlungssettings können allzu sehr von der Therapie ablenken und den Therapieerfolg beeinträchtigen.

Medikamentöse Behandlung

Im Allgemeinen ist in der Phase des Entzuges und einige Monate danach eine medikamentöse Behandlung erforderlich. Die diversen Medikamente haben unterschiedliche Funktionen, sie

Bei den angewendeten Medikamenten handelt es sich vor allem um Neuroleptika (Antipsychotika), Antidepressiva, Antiepileptika und Phasenprophylaktika. Diese Medikamentengruppen haben kein Abhängigkeitspotenzial. Richtig eingesetzt und dosiert treten außerdem kaum bis wenige Nebenwirkungen auf.

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