Prüfungsangst

Psychotherapie, Coaching oder Nachhilfe bei Prüfungsängsten?

Je nach Ursache hilft bei Prüfungsangst eine Psychotherapie, ein Lern- und Prüfungs­coaching oder ein guter Nachhilfe­unterricht. Während bei Prüfungsängsten aufgrund akademischer Überforderung eine Lernhilfe in Form eines Coachings oder Tutorings zum Einsatz kommt, ist bei Ängsten mit dem Hintergrund einer seelischen Überforderung eine Psychotherapie angezeigt.

Dieser Artikel bietet einleitend eine Übersicht über die Ursachen von Prüfungsangst und deren professionelle Bearbeitung. Anschließend werden eingehend jene Hintergründe von Ängsten erörtert, welche eine Psychotherapie erfordern. Am Ende des Artikels beschreibe ich ergänzend die unterschiedlichen Formen von Prüfungs­ängsten wie Denk­blockaden und Vermeidungs­verhalten.

Bearbeitung der Ursachen von Prüfungs­ängsten

Psychotherapie bei Prüfungs­ängsten mit dem Hintergrund einer seelischen Überforderung

Eine Psychotherapie ist insbesondere dann angezeigt, wenn die Prüfungs­angst als irreal wahrgenommen wird bzw. wenn es eigentlich keinen Grund für derart übersteigerte Ängste gibt.

In diesem Fall ist die Angst ein Symptom einer psychischen Störung, Selbstwert­problematik, Persönlichkeits­störung oder massiven Über­forderung mit persönlichen Problemen. In einer Psychotherapie werden die den Ängsten zugrunde liegenden psychischen und persönlichen Probleme bearbeitet.

Bei Schwierigkeiten, Überforderung und Ängsten im Studium aufgrund persönlicher und familiärer Probleme ohne den Hintergrund einer psychischen Störung kann auch eine psychologische Beratung oder Lebens­beratung helfen.

Coaching und Tutoring bei Prüfungs­änsten mit dem Hinter­grund einer akademischen Überforderung

Hingegen ist bei Schwierig­keiten aufgrund einer akademischen Überforderung die Angst vor dem Scheitern begründet. Auslöser für Prüfungsängste sind hier meist

Begründeten Prüfungs­ängsten kann nicht mit Psychotherapie entgegen­gewirkt werden, sondern es braucht die Aneignung entsprechender Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Arbeitsmethoden, Denkmuster, Strategien und Routinen, die im Rahmen eines Coachings oder Tutorings vermittelt und erarbeitet werden können.

In manchen Fällen, wie z.B. bei unüberwindbar erscheinenden Prüfungen oder Abschluss­arbeiten, kann die Kombination aus Psychotherapie und fachlicher Betreuung hilfreich sein. Mit der passenden Strategie können Prüfungs­ängste und Probleme im Studium in fast allen Fällen rasch und effektiv bearbeitet werden.

Übersicht über Ursachen und Bearbeitung von Prüfungsangst

Nachfolgende Tabelle bietet einen Überblick über die möglichen Ursachen von Prüfungs­ängsten und die entsprechende Bearbeitung mit Psychotherapie, Beratung, Coaching und Nachhilfe.

Ursache Bearbeitung
Psychische Störungen; störungs­bedingte Verhaltens- und Denk­muster; Persönlich­keits­störungen. Psychotherapie oder klinisch-psycho­lo­gische Behandlung, eventuell in Kombi­nation mit psychiatrischer Behandlung.
Persönliche bzw. familiäre Probleme und Belastungen; Probleme mit Lebens­zielen und Entschei­dungen; Gefühl von Unfrei­heit und funktio­nieren müssen. Wenn die Probleme allein und mithilfe von Freunden nicht mehr bewältigt werden können, hilft eine Psychotherapie oder psychologische Beratung.
Zweifel an der Wahl der Studien­richtung oder fehlende Eignung dafür; Probleme mit dem System oder bestimmten Personen in der Bildungs­einrichtung. Studierenden­beratung; Gespräch mit qualifizierter Vertrauens­person, die mit der Thematik gut vertraut ist (z.B. Lehrer); Gespräche mit guten Freunden und Studien­kollegen.
Ungeeignete Lern- und Prüfungs­strategien; hinderliche Arbeits- und Denk­muster bezüglich Lernen, Prüfungen und Ab­schluss­arbeiten; Über­forderung mit der Studien­organisation. Lern- und Prüfungs­coaching bei einem erfahrenen Lehrenden oder ausge­bildeten Coach, der wirksame Lern-, Studien- und Prüfungs­strategien vermittelt und auf die eigene Studienerfahrung zurückgreifen kann.
Unsicherheit mit dem Lernstoff, weil er nicht verstanden wird oder nicht gefestigt sitzt; fehlendes Grund­lagen­wissen; fehlende Kenntnisse der Arbeits­methoden, Software­anwendung und Lösungs­ansätze. Nachhilfe­unterricht bei einem fach­kun­digen Lehrenden, der Grund­lagen, Lern­stoff und methodisch-systematisches Vorgehen verständlich vermittelt und idealerweise die Begeisterung für das Fach­gebiet auf den Studierenden überträgt.

Prüfungsängste bei Kindern und Jugendlichen

Bei Schul- und Prüfungsängsten im Kindes- und frühen Jugendalter, bei Lernbe­hinderungen (ICD-10 F81) sowie bei Intelligen­zminderung (ICD-10 F70) kann diese Auflistung nicht angewendet werden, da eine andere Dynamik und Problematik zugrundeliegt.

Die Störung wird von entsprechend qualifizierten Experten diagnostiziert und je nach Ursache mittels klinisch-psychologischer, neurologischer, psychiatrischer und psychothera­peutischer Behandlung sowie mit sonder­pädagogischer Förderung bearbeitet.

Psychotherapie bei Prüfungsangst

Eine Psychotherapie ist dann angezeigt, wenn die Prüfungsangst ein Symptom einer psychischen Störung oder Persönlichkeits­störung ist. Aber auch wenn keine psycho­pathologische Problematik zugrunde­liegt und die Prüfungsangst auf persönliche Probleme und Belastungen zurückzuführen ist, kann eine Psychotherapie helfen.

Ziel einer Psychotherapie ist, die zugrunde liegende psychische Problematik aufzulösen, welche die Prüfungsangst auslöste sowie die persönlichen Probleme und Belastungen zu bearbeiten, die den Lern- und Prüfungs­erfolg behindern.

Wann es bei Prüfungs­ängsten eine Psychotherapie braucht, wird bei Betrachtung der Funktion von Angst deutlicher.

Funktion und Dynamik der Angst

Im Grunde ist Angst eine gesunde Reaktion, die vor Gefahren und Schäden bewahrt. Die Angst psychisch gesunder Menschen führt zu einer besonderen Vorsicht und Achtsam­keit sowie zu einem nützlichen Spannungs­zustand, der die körperliche und geistige Leistungs­fähigkeit und Wachheit steigert. In der Folge können Heraus­forderungen effektiver und sicherer bewältigt werden.

Liegt eine Überforderung oder Überlastung vor, kommt es im gesunden Fall zu einer starken Angstreaktion, die dazu dient, die Bedrohung ernst zu nehmen und in der Folge abzuwenden. Stehen ausreichend Ressourcen zur Verfügung, kann den Angst­auslösern in Form einer Bearbeitung der Ursachen entgegen­gewirkt werden.

Psychotherapie oder Lern­hilfe bei Überforderung

Ob hier eine Psychotherapie oder eine andere Bearbeitungs­strategie zum Einsatz kommt, entscheidet sich aus der Art der Überforderung bzw. Überlastung, die sowohl fachlicher als auch seelischer Natur kann.

Wenn z.B. ein Bergsteiger mit einer zu steilen Wand überfordert ist, weil Können und Erfahrung für diese Heraus­forderung nicht ausreichen, wird für die Bearbeitung der begründeten und realen Angst vor einem Absturz wohl kaum eine Psychotherapie angezeigt sein. Hier liegt eindeutig eine fachliche Überforderung vor. Für die Erarbeitung der erforderlichen Kenntnisse, Fertigkeiten und Routinen zur sicheren Bewältigung der Heraus­forderung braucht es einen guten Kletter­lehrer oder die Begleitung entsprechend erfahrener Kameraden.

Ist allerdings ein Eiffelturm-Besucher aufgrund irrealer Höhenangst emotional überfordert, zu den Aussichts­platt­formen auf der sicheren Treppe hinaufzu­gehen oder mit Aufzügen hochzufahren, empfiehlt sich eine Psychotherapie als die geeignete Methode zur Bearbeitung der Angst­problematik.

Die Beispiele mit dem Bergsteiger und den Eiffelturm-Besucher gelten ebenso für die Heraus­forderungen an der Schule oder Universität. Liegt der Prüfungsangst eine akademische Überforderung zugrunde, ist für die sichere Bewältigung der Aufgaben die Aneignung entsprechender Kenntnisse, Fertigkeiten, Strategien und Routinen erforderlich. Als geeignete Hilfestellung bietet sich eine Lernhilfe in Form eines Nach­hilfe­unterrichts oder Lern- und Prüfungs­coachings an, je nachdem ob es Probleme mit dem Lernstoff oder mit den Lern- und Prüfungs­strategien gibt.

Wenn die Prüfungsangst hingegen das Symptom einer seelischen bzw. emotionalen Überforderung ist, dann geht es wie beim Eiffelturm-Besucher im Grunde gar nicht um die aktuelle Heraus­forderung selbst, sondern um eine tiefere psychische oder persönliche Problematik, die mit einer Psychotherapie bearbeitet werden kann.

Ursachen und Hintergründe psychisch-bedingter Prüfungsängste

Persönliche Probleme

Ursächlich für eine Überforderung oder Überlastung im persönlichen Bereich sind hauptsächlich Probleme und Belastungen im Beziehungs­system der Betroffenen sowie Widersprüche hinsichtlich wichtiger Lebens­ziele und anstehender Entscheidungen.

Insbesondere die großen Heraus­forderungen und Entwicklungs­aufgaben im Jugend- und jungen Erwachsen­enalter können massive Probleme bereiten. Prüfungs­ängste treten hier besondere häufig auf, weil in dieser Lebensphase die Schul- und Berufs­ausbildung einen maßgeblichen Stellenwert hat.

Eine Prüfungsangst ist in diesem Fall weniger mit einer psychischen Störung verbunden, sondern ein gesunder Ausdruck dafür, dass den Betroffenen einfach alles zu viel wird.

Meist kann die Problematik mithilfe von Freunden und Familienangehörigen sowie im Rahmen einer qualifi­zierten Beratung gelöst werden. Bei Bedarf kann eine Psychotherapie weiterhelfen.

Neurotische Angststörung

In vielen Fällen von Prüfungsangst kann von einer psychischen Problematik bzw. einer neurotischen Angststörung ausgegangen werden. Hier wäre ein Coaching oder eine Lebens­beratung fehl am Platz, sondern es braucht eine Psychotherapie oder klinisch-psychologische Behandlung.

Psychodynamisch betrachtet liegt einer neurotischen Angststörung ein unlös­barer Autonomie­konflikt zugrunde. In einer modernen Gesell­schaft sind alle Menschen mehr oder weniger diesem inneren Konflikt ausgesetzt. Die meisten Menschen gelangen jedoch selbst und mithilfe von Freunden und Kollegen zu einem zufrieden­stellenden Kompromiss zwischen dem Bedürfnis nach Selbst­bestimmung und dem Wunsch nach Sicherheit und sozialer Anerkennung.

Wenn jedoch in der Kindheit die Autonomie­entwicklung beeinträchtigt wurde, kann es zu einer seelischen Überforderung bei der Lösung dieses inneren Konflikts kommen. Zwar versuchen die Betroffenen einen gelungenen Kompromiss zwischen dem Bedürfnis nach der selbst­bestimmten Erfüllung der eigenen Trieb­wünsche einerseits und den familiären und gesellschaft­lichen Wert­haltungen andererseits zu finden, aber aufgrund der Defizite in der Autonomie- und Identitäts­entwicklung scheitern sie daran.

Die Folge ist eine psychische Problematik wie z.B. Angst­störungen, Essstörungen, Zwangs­störungen oder somato­forme Störungen. Eine Psychotherapie fördert die Autonomie- und Identitäts­entwicklung und hilft dabei, die inneren Konflikte zu lösen.

Gemäß psychologischer Lerntheorie können auch langjährig falsch eingelernte Verhaltens- und Denkweisen sowie innere Blockaden, welche in der Kindheit entstanden sind, zu psychischen Problemen und neurotischen Ängsten führen. Häufig handelt es dabei um eine Beeinträchtigung der Entwicklung von Selbstbestimmung, Selbstsicherheit und Selbstwert durch Machtausübung der Bezugs­personen mittels Belohnung und Bestrafung. Mit therapeutischer Begleitung können die störungs­bedingten Verhaltens- und Denkmuster verlernt und die Blockaden gelöst werden.

Pathologische Ängste

Weil sich bei einer neurotischen Angststörung die Betroffenen der Irrealität ihrer Angst bzw. der übersteigerten Reaktion bewusst sind, kann diese Form der Angst nicht als pathologisch eingestuft werden. Zwar liegt eine leichte psychische Problematik vor, die allerdings in einer Psychotherapie oder klinisch-psychologischen Behandlung relativ rasch und einfach bearbeitet werden kann.

Hingegen kann bei depressiven, paranoiden und psychotischen Ängsten von einer Pathologie gesprochen werden. Dabei werden unbegründete Ängste als real wahrgenommen. Z.B. sind die Betroffenen unbegründet extrem besorgt oder sie glauben, dass sie verfolgt werden und ihnen jemand etwas böses will. In diesen Fällen braucht es eine längere Psychotherapie und meist auch eine psychiatrische Behandlung.

Außerdem werden bei manchen Persönlich­keits­störungen äußere Widerstände und Misserfolge als tiefe persönliche Kränkung, Entwertung oder Erniedrigung wahrgenommen. Diese Selbst­wert­problematik kann vor herausfordernden Prüfungen zu schweren Prüfungs­ängsten führen, denn ein Misserfolg würde das Selbst­wert­gefühl weiter drücken, was sogar in einer Depression münden kann. Die Betroffenen spüren diese Gefahr und reagieren mit der Prüfungsangst auf die Bedrohung. Hier ist ebenfalls eine längere Psychotherapie angezeigt.

Selbstunsicherheit

Zwischen den neurotischen und den pathologischen Ängsten liegt die Selbst­unsicher­heit der ängstlich-vermeidenden Persönlichkeit. Diese Problematik ist gekennzeichnet durch eine leicht depressive Grundhaltung, übermäßige Selbst­kritik und eine relativ große Angst vor zwischen­menschlichen Enttäuschungen.

Eine Prüfungsangst tritt hier meist als ein selbstkritischer Zweifel auf, nicht perfekt genug auf die Prüfung vorbereitet zu sein. In der Psychotherapie ängstlich-vermeidender bzw. selbstunsicherer Persönlich­keits­anteile geht es vor allem um die Bearbeitung der zugrunde­liegenden Bindungs­problematik.

Formen von Prüfungs­ängsten

Die meisten Menschen werden sich in einer oder mehreren der hier beschriebenen Formen von Prüfungsangst wiederfinden.

Aufregende Prüfungsangst

Bei der Angst- und Stressregulation sind zahlreiche Neuro­transmitter beteiligt wie Dopamin, Noradrenalin, Serotonin und körpereigene Opiate. Dieser Cocktail an Neuro­transmitter steigert die körperliche und geistige Leistungs­fähigkeit und Wachheit, was sich kurz vorher und am Beginn des fordernden Ereignisses in Form von Aufgeregt­heit ausdrücken kann.

Nach Beginn der Heraus­forderung legt sich die anfänglich hohe Anspannung und Nervosität auf ein nützliches und förderliches Maß, sodass die Problem­stellung konzentriert und leistungs­stark bewältigt werden kann.

Denk- und Handlungs­blockaden

Ein extremer Spannungs­zustand tritt unmittelbar oder bereits Stunden vor dem Ereignis auf. Während sich bei einer unproble­matischen Prüfungsangst die Anspannung einige Minuten nach Beginn der Heraus­forderung auf einen erträglichen oder sogar förderlichen Zustand reduziert, bleibt hier der extreme Spannungs­zustand aufrecht und führt zu Denk- und Handlungs­blockaden. Die fehlende Angst- und Stress­bewältigung ist für die Betroffenen besonders frustrierend, wenn sie eigentlich viel gewusst bzw. gekonnt hätten.

Vermeidungs­verhalten

In manchen Fällen wird bereits Wochen vor dem Ereignis ein beklemmendes Gefühl wahrgenommen, welches häufig zu Vermeidungs­verhalten führt, z.B. Prüfung oder Referat verschieben. Können die Ängste und Zweifel nach vielem Hin und Her schlussendlich überwunden werden, ist die Angst während der Prüfung meist kein Problem mehr.

Vermeintlich unüberwindbare Heraus­forderungen und Hindernisse

Besonders problematisch sind Prüfungs­ängste hinsichtlich wichtiger Abschluss­prüfungen bzw. Abschluss­arbeiten, die als unüberwindbares Hindernis empfunden werden. Dabei kann die Angst zusätzlich von einem starken inneren Spannungs­zustand begleitet werden, der im Allgemeinen durch den Widers­pruch zwischen dem Bedürfnis, die Sache endlich positiv abzuschließen und dem Wunsch, die Ausbildung abzubrechen und etwas anderes zu machen, verursacht wird.

Schreibblockade

Insbesondere Schriftsteller kennen die berüchtigte Angst vor dem weißen Blatt Papier, von der auch viele Studierende hinsichtlich des Verfassens ihrer wissen­schaftlichen Abschluss­arbeit betroffen sind.

Diese ärgerlichen Schreib- und Arbeits­blockaden können am Beginn und auch während des Arbeits­prozesses auftreten. Meist können die Blockaden, Probleme und Befürchtungen mit einer guten wissen­schaftlichen Betreuung an der Uni oder im Rahmen eines Wissenschafts­coachings gelöst werden. Bei anhaltenden unüberwindbaren Schreib- und Arbeits­blockaden braucht es häufig sowohl eine Psychotherapie als auch eine kompetente fachliche Betreuung.

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