Psychosomatik

Therapie körperlicher Beschwerden mit seelischem Hintergrund

Die Psychosomatik beschäftigt sich mit den wechselseitigen Beziehungen zwischen Psyche und Körper. Dementsprechend ist die Behandlung von psychosomatischen Störungen durch ein Miteinander von Psychotherapie und Medizin zu gestalten.

Psychosomatische Störung

Von psychosomatischen Störungen spricht man, wenn sich psychische Probleme in organischen Erkrankungen ausdrücken. Dazu zählen neben sogenannten somatoformen Beschwerden ein gestörtes Gesundheitsverhalten (z.B. Essstörungen), dissoziative Störungen (z.B. Verlust von Schmerzempfindungen) sowie körperliche Reaktionen auf psychische Belastungen.

Somatoforme Störung

Als somatoforme Störungen werden körperliche Beschwerden bezeichnet, die sich nicht oder nicht hinreichend auf eine organische Ursache zurückführen lassen und psychische Faktoren bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der Symptome eine bedeutsame Rolle spielen.

So können z.B. Magen-Darm-Beschwerden, sexuelle Funktionsstörungen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Tinnitus auf eine psychische Ursache zurückzuführen sein. Wenn keine körperlichen Ursachen gefunden werden, wird gesagt, “der Patient somatisiert”.

Ursachen psychosomatischer Störungen

Die Ursachen psychosomatischer Beschwerden sind vielfältig und es gibt verschiedene Erklärungsmodelle. Grundsätzlich müssen genetische Faktoren, entwicklungsbedingte Ursachen sowie auslösende und aufrechterhaltende Bedingungen berücksichtigt werden.

Genetische Prädisposition

Eine genetische Prädisposition für psychosomatische Störungen konnte bereits in Studien gezeigt werden. Vermutet wird dabei eine verstärkte Reaktionsbereitschaft des vegetativen Nervensystems.

Lebensgeschichtliche Hintergründe

Maßgeblich ist auch die lebensgeschichtliche Entwicklung. In vielen Fällen einer Somatisierungsstörung kann angenommen werden, dass in der Kindheit die Autonomieentwicklung beeinträchtigt wurde. Wenn z.B. Aggressionen immer unterdrückt bzw. hinunter geschluckt werden müssen, dann ist es kein Wunder, wenn es in der Folge zu Magen- und Darmbeschwerden kommt.

Stark belastende Lebensereignisse wie schwere Krankheiten in der Familie, Unfälle, Todesfälle, Scheidung, Vernachlässigung, körperliche Gewalt, psychische Gewalt und Missbrauch führen zu inneren Spannungen, die in der Folge die Entstehung psychosomatischer Erkrankungen begünstigen.

Auslösende Faktoren

Es wird angenommen, dass anhaltende psychosoziale Belastungen zu inneren Anspannungen führen, die in der Folge körperliche Beschwerden, Fehlsteuerungen von Organen und Störungen im Hormonhaushalt bewirken. Dabei spielen verdrängte Gefühle (vor allem Aggressionen) eine wesentliche Rolle.

Aufrechterhaltende Faktoren

Aufrechterhaltend ist vor allem die Angst vor wiederkehrenden Beschwerden gepaart mit der verstärkten Wahrnehmung körperlicher Symptome. Dadurch wird die innere Spannung aufrechterhalten oder sogar verstärkt.

Fachärztliche Behandlung

Zuerst ist es erforderlich, organische Faktoren abzuklären und zu behandeln. Dazu ist ein Besuch in der entsprechenden Facharztpraxis notwendig.

Um die oben genannten aufrechterhaltenden Faktoren der Erkrankung (Angst, Depression und gesteigerte Symptomwahrnehmung) zu durchbrechen, kann in der Einsatz von Psychopharmaka sinnvoll sein. Dabei handelt es sich vor allem um Antidepressiva und Neuroleptika. Eine kompetente medikamentöse Behandlung mit Psychopharmaka erfolgt in einer fachärztlichen Praxis für Psychiatrie.

Bei starken Schmerzen ist außerdem eine medikamentöse Schmerztherapie erforderlich, damit sich der Schmerz nicht langfristig im Gehirn abspeichert.

Ausschließlich eine medikamentöse Behandlung ohne Psychotherapie wäre allerdings kontraproduktiv, weil die ursächlichen psychischen Faktoren der Erkrankung unberücksichtigt blieben und die Beschwerden chronisch werden können.

Psychotherapie

In der Psychotherapie werden verdrängte Gefühle und innere Konflikte bewusst gemacht sowie schädliche Handlungsmuster und unrealistische Erwartungshaltungen hinterfragt. Vor allem wird die Verdrängung von Aggression betrachtet, denn meist fehlt es an der Aggression, sich von hemmenden Werthaltungen, Erwartungen und Bindungen loszulösen und selbstbestimmt zu leben. Aggression wird von den meisten Betroffenen als zerstörend erlebt mit der Befürchtung, die Zuwendung anderer Menschen und die soziale Anerkennung zu verlieren.

Im Laufe der Therapie finden die Patienten den Mut, ihr eigenes Leben selbstbestimmt, selbstverantwortlich und selbstfürsorglich zu leben, anstatt sich an den Erwartungshaltungen anderer zu orientieren und dabei ihren Ärger zu verdrängen bzw. hinunter zu schlucken.

Liegt eine latente Depression vor, die sich in Form von Somatisierungen ausdrückt, wird die zugrunde liegende Bindungsproblematik im Rahmen der psychotherapeutischen Beziehung bearbeitet. Mehr dazu finden Sie in meinen Artikel über Depressionen im Abschnitt Psychotherapie bei Depressionen.

Stationäre Behandlung

Wenn die körperliche und psychosoziale Funktionalität stark beeinträchtigt ist oder die Gefahr von dauerhaften körperlichen Schäden besteht, ist ein stationärer Aufenthalt anzuraten. Einige Spitäler verfügen über spezielle psychosomatische Stationen. Es gibt auch spezielle Kliniken für psychosomatische Erkrankungen.

Neben der Behandlung der körperlichen Beschwerden befassen sich die stationären Therapieangebote mit Gefühlsleben, Werthaltungen, Bedürfnissen, Sozialverhalten und Umgang mit Problemen.

Nach dem stationären Aufenthalt wird die Behandlung mit Psychotherapie und ambulanter fachärztlicher Betreuung fortgesetzt.