Psychotherapie

Grundlagen der Psychotherapie, Methoden, Kosten­zuschuss und Tipps zur Therapeuten­suche

Psychotherapie ist Persönlichkeitsentwicklung und eine Begleitung bei der Bearbeitung psychischer Probleme und seelischer Krisen. Dabei geht es um Gefühls- und Selbstwahrnehmung, Selbstbestimmung, Selbstfürsorge, Selbstliebe, gesunde Denk- und Verhaltensmuster und vor allem um die Fähigkeit, sich auf andere einzulassen und mit anderen in Beziehung zu sein.

Bedeutung der psychotherapeutischen Beziehung

In allen psychotherapeutischen Methoden hat die Beziehung zwischen Patient und Therapeut einen hohen Stellenwert. Die zentrale Bedeutung einer vertrauensvollen psychotherapeutischen Beziehung ist in Wirksamkeitsstudien bestens abgesichert. Der Erfolg einer psychotherapeutischen Behandlung hängt also maßgeblich von einer gelungenen psychotherapeutischen Beziehung ab.

Angehende Psychotherapeuten erfahren deshalb zuerst eine langjährige Psychotherapie an sich selbst und in der Ausbildung wird eine besondere Aufmerksamkeit der fachlich aufgebauten Beziehungsgestaltung gewidmet.

Die gute Beziehung zum Therapeuten ermöglicht den Patienten, eine bessere Beziehung zu sich selbst zu entwickeln. So können die Betroffenen ihre Emotionen authentisch wahrnehmen und zum Ausdruck bringen. Gefühle, Ansichten, Erwartungshaltungen und Verhaltensweisen unterliegen dabei keiner Wertung. Deshalb fühlen sich die Patienten in der Therapie angenommen und verstanden.

Durch das psychotherapeutische Gespräch werden psychische Prozesse, Gefühle und Erfahrungen ins Bewusstsein gebracht, begrifflich erfasst und dem Denken bzw. der Reflexion zugeführt. Auf diese Weise können innere Konflikte, psychische Abwehrmechanismen, problematische Erwartungs­haltungen, schädliche Handlungsmuster, hinderliche Denkmuster, belastende Lebensereignisse und tiefere Kränkungen bearbeitet und verarbeitet werden.

In der Folge werden neue Möglichkeiten und Wege erarbeitet, mit sich selbst und anderen umzugehen, wodurch sich neue gelungene Beziehungsmuster und ein gesunder Umgang mit Emotionen entwickeln kann.

Risiken und Nebenwirkungen von Psychotherapie

Keine Wirkung ohne Nebenwirkung! Ähnlich wie bei Medikamenten und medizinischen Eingriffen muss auch bei einer Psychotherapie mit Nebenwirkungen und unerwünschten Effekten gerechnet werden. → Artikel

Außerdem sind Psychotherapeuten auch nur Menschen und können etwas übersehen oder Fehler machen. Insbesondere die Problematik unbearbeiteter seelischer Themen und problematischer Abwehrmechanismen beim Therapeuten kann eine Therapie erheblich beeinträchtigen. Deshalb sind Psychotherapeuten angehalten, regelmäßig Fortbildungen zu absolvieren, in der Supervision ihre Patientenfälle zu besprechen und falls erforderlich den eigenen psychothera­peutischen Selbsterfahrungs­prozess fortzusetzen.

Manche psychische Themen sind noch wenig erforscht oder relevante Forschungs­ergebnissen sind noch nicht in den Ausbildungs­vereinen und Praxen angekommen. Außerdem sind einige seelische Bereiche derart komplex, dass es eigentlich eine Zusatz­ausbildung bräuchte, wie dies zum Beispiel im Bereich der Geschlechts­identität bzw. Geschlechts­inkongruenz oder bei der Problematik von Essstörungen der Fall ist.

Psychotherapie ist nach wie vor Beziehungsarbeit. Allerdings wird von Psychotherapeuten neben der persönlichen Befähigung vermehrt auch eine vertiefte Fachkompetenz gefordert, um die Risiken und Nebenwirkungen einer Psychotherapie zu minimieren.

Gesetzlich geregelte Ausbildung zum Psychotherapeuten

Die Ausübung der Psychotherapie ist durch das Psychotherapiegesetz staatlich geregelt. Die Berufsbezeichnung “Psychotherapeut” bzw. “Psychotherapeutin” ist gesetzlich geschützt.

Die Ausbildung zum Psychotherapeuten umfasst das psychotherapeutische Propädeutikum sowie das Fachspezifikum in der ausgewählten Methode und dauert in der Regel sieben bis neun Jahre. → Kompetenzen und Ausbildung von Psychotherapeuten, Psychiatern und Psychologen

Psychotherapeutische Methoden

In Österreich sind 23 Psychotherapiemethoden zugelassen. Zulassungsbehörde ist das Bundesministerium für Gesundheit. Auf der Webseite des BMG finden Sie eine Patienteninformation über alle in Österreich anerkannten psychotherapeutischen Methoden (PDF, 400kB).

Die Methoden unterscheiden sich vor allem bezüglich des Menschenbildes, der Diagnosestellung, des Zugangs zur Gefühlswelt und der Bearbeitungweise einer psychischen Problematik. Für den Behandlungserfolg hat die Methode eine geringere Bedeutung. Entscheidend ist die gelungene therapeutische Beziehung sowie die Ich-Struktur und Fachkompetenz des Therapeuten. Die Methode kann aber für die persönlichen Therapieziele wichtig sein.

Grundsätzlich lassen sich die 23 Methoden in vier Orientierungen unterteilen:

Hinsichtlich der Therapiedauer zeigen Statistiken, dass Psychotherapien mit tiefenpsychologischer Orientierung im Durchschnitt deutlich länger dauern als verhaltenstherapeutisch, humanistisch-existentiell oder systemisch orientierte Therapien.

Kostenerstattung für Psychotherapie

Die psychotherapeutische Behandlung psychischer und psychosomatischer Störungen ist aufgrund ihrer wissenschaftlich nachgewiesenen Wirksamkeit und Nachhaltigkeit der ärztlichen Hilfe gleichgestellt. Damit die Krankenkassen zahlen, müssen die Klienten allerdings zu Patienten werden, also mit der entsprechenden F-Diagnose gem. ICD-10 Kapitel V (Psychische Störungen F00–F99) als psychisch krank erklärt werden.

Für Psychotherapie gibt es wie bei der ärztlichen Versorgung mit Vertragsarzt und Wahlarzt ebenfalls zwei Modelle von Kassenleistungen:

Leider vergeben die Krankenkassen nur ein sehr eingeschränktes Kontingent an voll finanzierten Therapieplätzen. Deshalb werden freie Therapieplätze vorrangig an sozial bedürftige Menschen mit schweren psychischen Störungen vergeben und es muss außerdem mit einer Wartezeit von mehreren Monaten gerechnet werden, bis ein Platz frei wird.

Die meisten Patienten müssen sich mit dem Kostenzuschuss begnügen, der zwischen 28 Euro (GKK, SVA) und 40 Euro (BVA) für eine Einzeltherapiestunde beträgt. Bei Honoraren für eine Therapieeinheit zwischen 80 und 110 Euro sind das gerade mal ein Drittel der Kosten. Viele Psychotherapeuten bieten einen Sozialtarif von 60 bis 85 Euro an, wodurch nach der Rückerstattung des Kostenzuschusses eine Einheit auf etwa 30 bis 50 Euro kommt.

Informationen zur Kostenübernahme von Psychotherapie sind auf den Webseiten der jeweiligen Krankenkassen zu finden. Bei der Notwendigkeit einer Finanzierung Ihrer Psychotherapie und bei offenen Fragen kontaktieren Sie am besten Ihre Krankenkasse.

Kostenzuschuss für die psychotherapeutische Behandlung

Wenn eine psychische Störung diagnostiziert wird, übernehmen die Krankenkassen jedenfalls einen Kostenzuschuss, der nicht an bestimmte Kassenplätze gebunden ist, sondern für alle Psychotherapien gilt. Die Diagnose einschließlich der Angaben zum Bedarf einer psychotherapeutischen Behandlung erstellt der Psychotherapeut.

Sie können allerdings nicht einfach mit der Sozialversicherungskarte zur Psychotherapie gehen und dort einen reduzierten Betrag zahlen, sondern es muss ein Bewilligungsantrag gestellt werden. Den Antrag müssen Sie vor der elften Therapiestunde bei der zuständigen Krankenkasse einreichen. Der Kostenzuschuss wird für maximal 50 Sitzungen zugesagt. Danach ist allenfalls ein neuerlicher Antrag zu stellen.

Das von Psychotherapeuten ausgefüllte Beiblatt beinhaltet Ihre persönliche Patientendaten und umfassende Angaben zur psychischen Erkrankung. → Antragsformular (PDF, 140kB)

Spätestens vor der zweiten Psychotherapiesitzung ist eine ärztliche Untersuchung erforderlich. Sie dient der Abklärung körperlicher Erkrankungen, die möglicherweise die psychische Symptomatik verursachen oder beeinflussen. Die ärztliche Bestätigung kann formlos oder mittels Bestätigungsformular erfolgen.

Der Antrag auf Kostenerstattung erfolgt mittels Formblatt und den Originalhonorarnoten mit genauen Angaben über die erbrachten Leistungen einschließlich Diagnose. Der Betrag wird auf das Konto des Versicherten überwiesen.

Die Gebietskrankenkassen, die SVA und die VAEB refundieren 28 Euro für 50 Minuten Einzeltherapie und die BVA und LKUF gewähren einen Kostenzuschuss von 40 bis 50 Euro. Fragen Sie jedenfalls bei Ihrer Krankenkasse nach!

Weitere Infos:

Volle Kostenübernahme der Psychotherapie durch die Krankenkassen

Etwa ein Viertel aller eingetragenen Psychotherapeuten bieten eine Psychotherapie auf Krankenschein an. Sie verfügen aber nur über ein sehr eingeschränktes Kontingent an voll finanzierten Therapieplätzen (2 bis 6 Plätze). Es muss deshalb mit einer Wartezeit von mehreren Monaten gerechnet werden, bis ein Therapieplatz frei wird.

Freie Plätze werden vorrangig an sozial bedürftige Menschen vergeben und meist erhalten nur Patienten mit schweren und schwersten psychischen Störungen eine kostenlose Psychotherapie (Entscheidung liegt beim Therapeuten). Für Kinder- und Jugendliche ist es in einigen Bundesländern (z.B. NÖ) etwas leichter, einen voll finanzierten Therapieplatz zu bekommen.

Zuständig für die Administration dieser kostenlosen psychotherapeutischen Versorgung sind die nachfolgend angeführten Institutionen. Diese führen eine Liste von Therapeuten mit Krankenkassenplätzen, an die Sie sich wenden können:

Psychotherapeutensuche

Empfehlungen

Am einfachsten ist es, zuerst ein Gespräch mit dem vertrauten Hausarzt, einem Facharzt oder einem Psychiater zu führen. Meist kann dort schon festgestellt werden, ob eine Psychotherapie angezeigt ist. Im Falle der Notwendigkeit einer Psychotherapie kann der Arzt eventuell gleich eine Therapeuten-Empfehlung mitgeben.

Wenn die Inanspruchnahme einer Psychotherapie kein Geheimnis bleiben muss, können Sie auch Freunde, Kollegen, Mitstudierende oder Verwandte fragen, von denen Sie wissen, dass sie gute Erfahrungen mit einer Psychotherapie gemacht haben.

Google-Suche

Ohne Empfehlungen ist mittlerweile Google die effektivste Hilfe bei der Psychotherapeutensuche. Geben Sie auf der Google-Website im Suchfeld “Psychotherapie” sowie den Ort und das Störungsbild (z.B. Essstörung) ein.

Nehmen Sie sich Zeit zum Recherchieren und schauen Sie sich nicht nur die Suchergebnisse auf der ersten Seite an. Beachten Sie, dass Suchergebnisse auf vorderen Plätzen nichts über die Kompetenz des Psychotherapeuten aussagt, sondern eher etwas über den Aufwand für das Erstellen der Webeseiteninhalte und für die Suchmaschinenoptimierung.

Online-Portale

Im Internet stehen außerdem einige Online-Datenbanken für die Therapeutensuche zur Verfügung. Der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie stellt ein Online-Portal ihrer Mitglieder zur Verfügung, wobei hier aber nicht alle Psychotherapeuten eingetragen sind, weil die Mitgliedschaft im ÖBVP freiwillig ist.

Ferner gibt es einige kommerzielle Online-Portale. Allerdings ist im Gegensatz zur Google-Suche bei der Sichtbarkeit der Ergebnis-Listung relevant, ob es sich um eine bezahlte Eintragung handelt. Der Großteil der Psychotherapeuten begnügt sich in diesen Verzeichnissen mit einer nachgereihten unscheinbaren Gratiseintragung. Außerdem sind viele in diesen Online-Portalen gar nicht registriert oder der Eintrag ist nicht mehr aktuell. Hingegen hat praktisch jeder in freier Praxis tätige Psychotherapeut eine aktuelle Webseite und ist über die Suchmaschinen direkt auffindbar.

Informationen auf der Webseite des Therapeuten

Anhand von Informationen auf der Webseite der Psychotherapeuten ist schon eine Auswahl nach Kriterien wie Arbeitsschwerpunkte, Methode, Ausbildung, Berufserfahrung, Praxislage und Kosten möglich.

Lassen Sie sich aber nicht von der hochprofessionellen stilvollen Gestaltung einer Webseite blenden, sondern achten Sie mehr auf die Inhalte, z.B. ob die Spezialisierungen zu ihrer Problematik passen und der Lebenslauf des Therapeuten Sie anspricht.

Achten Sie außerdem darauf, ob das Stundenhonorar zu ihrem Budget passt, denn eine finanzielle Überforderung kann den Therapieerfolg beeinträchtigen. Die Höhe des Stundenhonorars sagt über den zu erwartenden Therapieerfolg ohnehin nur wenig bis nichts aus. Ein Psychotherapeut in Ausbildung mit einem Stundenhonorar von 30 Euro kann besser für ihr Anliegen passen als ein langjährig tätiger Psychotherapeut, der 120 Euro für eine Therapiestunde verlangt.

Ob der Therapeut “passt” und ausreichend mit Ihrer Problematik und Persönlichkeitsstruktur vertraut ist, können Sie beim Erstgespräch klären.

Erstgespräch

Im Rahmen des psychotherapeutischen Erstgesprächs können sich Patient und Therapeut kennen lernen und feststellen, ob eine gute Zusammenarbeit möglich ist. Bedenken Sie, dass der Behandlungserfolg einer Psychotherapie vor allem von der gelungenen psychotherapeutischen Beziehung und einfühlsamen Bearbeitung der seelischen Problematik abhängt. Wenn Sie beim Erstgespräch ein gutes Gefühl haben und Sie sich verstanden und willkommen fühlen, sind Sie in den meisten Fällen an der richtigen Stelle.

Das Erstgespräch ist beiderseits unverbindlich, d.h. es entsteht keine rechtliche oder moralische Verpflichtung, eine Therapie zu beginnen. Wenn es beim ersten Erstgespräch nicht gleich “funkt”, scheuen Sie sich nicht, mit verschiedenen Therapeuten zu sprechen und in der Folge dort die Therapie zu machen, wo Sie sich am wohlsten fühlen.

Infobroschüren des Gesundheitsministeriums