Schlafstörung

Ursachen und Therapie von Insomnie

In einer gestressten und lärmgeplagten Gesellschaft zählen Schlaf­störungen zu den häufigsten psycho­somatischen Beschwerden. Meist braucht es nur etwas mehr Langsam­keit und Ruhe, um wieder ungestört schlafen zu können. Liegt der Schlaf­störung eine tiefere seelische Problematik zugrunde, können in einer Psychotherapie die psychischen Ursachen und persönlichen Hinter­gründe der Störung aufgedeckt und bearbeitet werden. Bei organischen Ursachen ist Ihr Hausarzt der erste Ansprechpartner.

Wichtiger Hinweis: Diese Seite dient allen Interes­sierten zur Information und kann keines­falls ein ärztliches oder thera­peutisches Gespräch ersetzen. Bitte beachten Sie, dass ich Wissen­schaftler und Lehrender bin und keine Behandlung anbiete!

Primäre und sekundäre Insomnie

Um eine Schlafstörung angemessen zu behandeln ist zuerst die Ursache zu klären. Eine Schlafstörung mit erkennbarer Ursache wird als sekundäre Insomnie bezeichnet. D.h. die Schlafstörung ist ein sekundäres Symptom einer ursächlichen Erkrankung oder eine Nebenwirkung von Substanzen (z.B. Medikamenten), die einen entsprechend negativen Einfluss auf die Schlafphasen haben.

Hingegen fehlen bei der primären Insomnie nachvollziehbare organische Ursachen für die Schlafstörung. Zugrunde liegen oft Lebensereignisse oder unbewusste innere Konflikte, die zu schlafbehindernden Gedanken und Emotionen führen. Die Folge sind Anspannung und Unruhe.

Dazu kommt beim Zubettgehen die Angst, nicht einschlafen zu können, was sich weiter ungünstig auf den Schlaf auswirken kann. Durch die Einschränkungen in Lebensqualität, Leistungsfähigkeit und Sozialleben ergeben sich wiederum schlafbehindernde Gedanken und Gefühle, die folglich den Kreislauf der Schlafstörung aufrechterhalten. Eine Psychotherapie kann Ihnen dabei helfen, wieder das innere Gleichgewicht zu finden und zur Ruhe zu kommen.

Ursachen und Behandlung einer Schlafstörung

Organische Ursachen

Es gibt zahleiche körperliche Krankheiten und Störungen, die den Schlaf stören können, wie Schmerzen, Schnarchen, Schlafapnoe, Restless Leg Syndrom (unruhige Beine), neurologische Erkrankungen (z.B. Parkinson), Reflux, Schilddrüsenüberfunktion, Erkrankungen des Kreislaufsystems, Atemnot beim Liegen, nächtlicher Harndrang, Übergewicht, etc. Diskutiert werden auch der Mangel bestimmter Vitamine und Mineralstoffe.

Die Abklärung organischer Ursachen erfolgt ärztlich und bei Bedarf im Schlaflabor. Grundlage der Diagnose ist die Erhebung der Krankengeschichte. Bei der Diagnose spielt die Art der Schlafstörung eine Rolle, also ob es sich um eine Ein- oder Durchschlafstörung oder um Früherwachen handelt.

Wenn Sie Medikamente einnehmen müssen, fragen Sie am besten Ihren Arzt, ob diese Substanzen den Schlaf beeinträchtigen können.

Umweltfaktoren

Umgebungslärm, ein unruhiger Bettnachbar, schlechtes Raumklima, Hitze, Licht und ein unbehaglicher Schlafplatz können das Schlafen erheblich beeinträchtigen. Studien haben gezeigt, dass auch bei Gewöhnung an Außenlärm der Schlaf und das Herz-Kreislaufsystem signifikant beeinträchtigt werden. Für einen besseren Schlaf sollten Sie sich in diesem Fall eine ruhige Umgebung und einen angenehmen Schlafplatz gestalten.

Lebensstilfaktoren

Oft sind die Ursachen auf einen ungünstigen Tagesablauf zurückzuführen. Vor allem ein unregelmäßiger Wach-/Schlafrhythmus (Schichtdient, langes Ausgehen, spätabendlicher Medienkonsum, zu frühes Zubettgehen) aber auch Langeweile, Unterforderung oder zu viel Stress während des Tages können sich ungünstig auf den Schlaf auswirken.

Ebenso können Trink- und Ernährungsgewohnheiten (Kaffee, Alkohol, Energy Drinks, schwere Abendmahlzeiten, nächtliches Essen) den Schlaf beeinträchtigen. Alkohol kann zwar das Einschlafen fördern, aber Schlafphasen und Schlaftiefe werden gestört.

In diesem Fall können Sie Ihre Schlafstörung mit einem gesunden Lebensstil und Schlafhygiene selbst behandeln. Schlafhygiene bedeutet, eine geregelte Schlafenszeit sowie Gewohnheiten und Rituale einzuhalten, die für einen gesunden Schlaf förderlich sind. Wenn es Ihnen schwer fällt, Ihre schlafstörenden Lebensgewohnheiten zu verändern, kann Ihnen eine Verhaltenstherapie, eine klinisch-psychologische Behandlung oder ein Schlafcoaching helfen.

Am wichtigsten ist es wohl, sich nicht so stressen zu lassen und gelassener zu leben. Falls Ihnen dies nicht möglich ist und es Ihnen schwer fällt von unrealistischen Erwartungshaltungen, hohen Idealen oder zwanghaftem Ehrgeiz loszulassen, ist eine Psychotherapie mit Fokus auf die tiefer liegenden Ursachen der Problematik sinnvoll.

Akute psychische Störungen und Belastungen

Fast alle akuten psychischen Störungen und Belastungen beeinträchtigen mehr oder weniger den Schlaf. Mithilfe einer Psychotherapie sind akute Belastungen leichter zu verarbeiten und verdrängte Gefühle, innere Konflikte und lebensgeschichtliche Hintergründe der Störung können aufgedeckt und bearbeitet werden. Dadurch stellt sich in den meisten Fällen wieder ein gesunder Schlaf ein.

Bis sich die zugrunde liegende psychische Problematik bessert, kann die Schlafstörung mit sedierenden und angstlösenden Psychopharmaka behandelt werden. Dabei kommen vor allem schlafanstoßende Antidepressiva (z.B. Trittico) und niedrigpotente Neuroleptika (z.B. Dominal) zum Einsatz, da sie über kein Abhängigkeitspotenzial verfügen.

Die bei Schlafstörungen eingesetzten niedrigpotenten Neuroleptika wirken hemmend auf das dopaminerge System und hemmen auf diese Weise schlafbehindernde Gedanken und Emotionen. Niedrigpotent bedeutet, dass das Neuroleptikum weniger antipsychotisch wirkt, aber dafür sedierend und angstlösend.

In Verbindung mit psychischen Störungen wird manchmal auch das atypische Neuroleptikum Quetiapin (Handelsname Seroquel) als Schlafmittel eingesetzt. Der Wirkstoff hat antipsychotische, antidepressive und dämpfende Eigenschaften.

Hochwirksam und weitgehend nebenwirkungsfrei sind die klassischen Hypnotika aus der Gruppe der Benzodiazepine (Halzion, Rohypnol, etc.) und Benzodiazepin-Analoga (z.B. Ivadal). Aber im Gegensatz zu Antidepressiva und Neuroleptika haben sie ein enorm hohes Suchtpotenzial und sollten deshalb nur in besonderen Ausnahmefällen verabreicht bzw. eingenommen werden!

Die Wahl der geeigneten Psychopharmaka und die passende Dosierung braucht sehr viel Erfahrung. Die Behandlung mit Psychopharmaka sollte deshalb immer durch eine Fachärztin bzw. einen Facharzt für Psychiatrie erfolgen.

Besorgte, bemühte und depressive Persönlichkeit

Besonders anfällig für eine Schlafstörung sind Menschen, die ständig besorgt sind und sich im Leben sehr bemühen. Sie wollen alles “richtig” machen bzw. den anderen immer entsprechen und niemanden enttäuschen. Meist sind die Betroffenen sehr sensibel und selbstkritisch und nehmen sich vieles zu sehr zu Herzen. Häufig ist auch eine zwanghafte, perfektionistische und leistungsorientierte Haltung oder eine ängstlich-vermeidende (selbstunsichere) Persönlichkeitsstörung zu beobachtet.

Psychodynamisch betrachtet liegt hier ein Grundkonflikt der Bindung (auch depressiver Grundkonflikt genannt) zugrunde. Dabei ist die Bindungsdynamik ambivalent und unsicher, der spielerische Zugang zum Leben ist eingeschränkt und die Autonomie- und Identitätsentwicklung ist beeinträchtigt. Im Allgemeinen sollten sich die Betroffenen auf eine längere Psychotherapie einstellen, die mehrere Jahre dauern kann. In diesem Fall einer Schlafstörung verläuft die Psychotherapie ähnlich der Behandlung einer Depression.

Falls Sie sich zu den besorgten, bemühten oder bedrückten Menschen zählen und Sie darin die Ursache Ihrer Schlafstörungen vermuten, sollten Sie mit einem Facharzt für Psychiatrie den Einsatz von Psychopharmaka besprechen. Schlafanstoßende Antidepressiva oder niederpotente Neuroleptika (je nachdem was Sie besser vertragen) können im Allgemeinen jahrelang ohne größere Probleme und ohne Abhängigkeitsgefahr eingenommen werden.

Meist erkennt der Psychiater den depressiven Hintergrund einer Schlafstörung und verschreibt ein Antidepressivum, welches sich nicht direkt auf den Schlaf auswirkt, sondern auf die zugrunde liegende Depression bzw. auf den ursächlichen Mangel der Neurotransmitter Serotonin und/oder Noradrenalin.