Tinnitus

Die Rolle der Psyche bei lästigen Ohrgeräuschen

Obwohl viele Betroffene den Tinnitus von Anfang an mit persönlichen oder beruflichen Belastungen in Verbindung bringen, wird oft erst später in Betracht gezogen, dass es sich um eine psychosomatische Störung handeln könnte.

Üblicherweise werden zuerst alle Methoden der konventionellen Medizin und alternativer Behandlungsmethoden ausgereizt. Eine Psychotherapie wird meist erst dann in Anspruch genommen, wenn der Tinnitus mit Störungen im emotionalen und kognitiven Bereich einhergeht.

In den meisten Fällen ist Tinnitus eine fehlerhafte Informationsbildung in der zentralen Hörbahn und zentralen Regionen der Hörverarbeitung im auditorischen Kortex. Diese Gehirnareale sind mit dem vegetativen Nervensystem (reguliert automatisch innerkörperliche Vorgänge) und dem limbischen System (zuständig für die Gefühlswelt) verknüpft.

Hier setzt die moderne Behandlung von chronischem Tinnitus an, denn Psychotherapie wirkt auf diese beiden Systeme. In der Folge können sich aufgrund neuronaler Plastizität die Nervenzellen und Synapsen in den betroffenen Hirnarealen umformen und an die veränderten Bedingungen anpassen.

Wichtiger Hinweis: Diese Seite dient allen Interes­sierten zur Information und kann keines­falls ein ärztliches oder thera­peutisches Gespräch ersetzen. Bitte beachten Sie, dass ich Wissen­schaftler und Lehrender bin und keine Behandlung anbiete!

Was ist ein Tinnitus

Die Wahrnehmung von Tönen und Geräuschen, die sich nicht auf eine physikalische Schallquelle zurückführen lassen, wird subjektiver Tinnitus genannt. Hingegen gibt es beim objektiven Tinnitus eine körpereigene Schallquelle im Ohrbereich, z.B. von den Blutgefäßen oder der Muskulatur ausgehende Geräusche, die mit dem Stethoskop hörbar sind.

Das Mittel- und Innenohr ist der zwar der Empfänger von Reizen, aber das Gehirn verarbeitet und interpretiert die Reize. Beim subjektiven Tinnitus erfolgt eine fehlerhafte Informationsbildung im Hörzentrum des Gehirns, ohne Einwirkung eines akustischen Reizes.

Häufige Ursachen

Die vermutlich häufigste Ursache des Ohrensausens ist ein Folgeschaden im Innenohr durch andauernde Lärmbelastungen oder ein Knalltrauma. Dabei werden die Sinneshärchen im Innenohr durch Schallwellen beschädigt. Vermutlich versucht das Gehirn, die Schäden im Gehör zu kompensieren. Dies kann zu einer abnormen Überaktivität der Nervenzellen im Hörzentrum des Gehirns führen und als Tinnitus wahrgenommen werden.

Sehr wahrscheinlich hat auch andauernder Stress und das hohe Tempo unserer modernen Gesellschaft insgesamt einen pathogenen Einfluss auf stress- und emotionsverarbeitende Gehirnareale, die in der Folge die Aktivität in der zentralen Hörbahn des auditorischen Systems (im Gehirn) hochregulieren.

Häufig ist der Tinnitus auf funktionelle Störungen der Halswirbelsäule oder des Kiefergelenkes sowie muskuläre Verspannungen zurückzuführen. Ursache dafür können Kiefer- und Zahnfehlstellungen oder Verspannungen aufgrund von Stress sein.

Eine Durchblutungsstörung als Ursache von Tinnitus wird eher ausgeschlossen, trotzdem werden oft noch durchblutungsfördernde Medikamente verabreicht.

Schweregrade

Tinnitus wird in Schweregrade eingeteilt, wobei sich die Einordnung nach der Auswirkung auf die Lebensqualität orientiert. Bei den Schweregraden 3 und 4 ist dringend eine Psychotherapie angezeigt.

Fachärztliche Behandlung

Tinnitus wird als Symptom einer ursächlichen Krankheit betrachtet. Deshalb ist es erforderlich, die Ursachen abzuklären und zu behandeln. Dazu ist ein Besuch in einer Facharztpraxis für Hals-Nasen-Ohrenkrankheiten notwendig, wo das Gehörsystem untersucht und ein Hörtest durchführt wird. Meistens werden Medikamente verabreicht, welche die Durchblutung des Gehörsystems erleichtern.

Eventuell werden Sie an eine Facharztpraxis für Neurologie überwiesen und/oder es wird eine Computertomographie angeordnet. Falls Stoffwechselerkrankungen, Kiefer- oder Halswirbelprobleme, Erkrankungen der inneren Organe oder Viruserkrankungen den Tinnitus verursachen, ist eine entsprechende fachärztliche Behandlung angezeigt.

Psychotherapie

Wenn die medizinischen Behandlungen unwirksam sind oder organische Ursachen ausgeschlossen wurden, konzentriert sich eine Tinnitusbehandlung auf die Psyche. Ziel der Psychotherapie ist, mit dem Tinnitus besser umgehen zu können bzw. den Schweregrad auf Grad 2 oder Grad 1 zu reduzieren, sodass keine psychische Beeinträchtigung mehr besteht. Wenn die Ursache des Tinnitus seelischer Natur ist, können außerdem die emotionalen Hintergründe aufgedeckt und bearbeitet werden.